Körperrotation –  Dr. Christian Haid erklärt Ihnen, weshalb Sie deutlich weiter schlagen, wenn Sie den vorderen Fuß aufdrehen.


Dr. Christian Haid,
Biomechaniker an der Universitätsklinik Innsbruck

Häufig sind es Kleinigkeiten, die
unseren Golfschwung maßgeblich
beeinflussen. Die hier dargestellten
Erklärungen gelten für rechtshändige
Spieler, die den linken Fuß Richtung
Ziel aufdrehen. Das bringt zwei Vorteile.
Der erste ist, dass einige Muskelgruppen mit
ihrer Vorspannung die Drehbewegung des
Körpers im Durchschwung erleichtern. Je
schneller wir uns drehen, umso weiter schlagen
wir. 
Dabei sollte jedoch erwähnt sein,
dass es sich um eine beschleunigte Drehung
handelt, bei der Timing und Bewegungsverlauf
eine ganz wesentliche Rolle spielen.
Der zweite Vorteil ist anatomisch begründet.
Das Kniegelenk ermöglicht Bewegung zwischen
dem Oberschenkel (Femur) und dem
Unterschenkel (Tibia). Der Oberschenkelknochen
rollt bzw. rutscht auf der Gelenksfläche
des Unterschenkels.
Von vorne betrachtet (frontal) hat das Knie
eine näher an der Körpermitte liegende Gelenksfläche
(medial) und eine weiter außen
liegende Gelenksfläche (lateral). Zwischen
diesen Gelenksflächen befinden sich die
Kreuzbänder. 

Streckung zu vermeiden

Die Kreuzbänder steuern das
Bewegungsverhalten zwischen dem Oberschenkel-
und dem Unterschenkelknochen.
Seitlich außen und innen verlaufen
die Seitenbänder (Kollateralbänder). Diese
stehen in Verbindung mit den Menisken,
und häufig äußern sich Meniskusprobleme
mit Schmerzen an den Ansätzen der Seitenbänder. 
Im Golfschwung wird das linke Kniegelenk
am Ende des Durchschwungs häufig gestreckt.
Diese Streckbewegung ist von einer
axialen Rotation entlang der Beinachse überlagert.
Das Zusammenwirken der Streckbewegung
mit der axialen Rotationsbewegung
führt zu sehr hohen Druckkräften im
Kniegelenk. Daher ist die Streckung im Kniegelenk
beim Golfschwung zu vermeiden.
 

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Streckbewegung im linken Kniegelenk
beim Durchschwung wird „the Block“ genannt.
Viele glauben, dass durch diese
stoppende Streckbewegung im Kniegelenk
eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit
erzeugt wird. Das ist jedoch eine falsche Vorstellung.
Die Beschleunigung des Schlägerkopfes
erfolgt, da bei dieser Bewegung die
linke Schulter nach oben bewegt wird.
Der Vorteil des zum Ziel gedrehten Fußes ist
die Verminderung des Bewegungsausmaßes
der axialen Rotation und die „Vorbereitung“
des Körpers auf die notwendige Drehbewegung.
Somit schlägt man „zwei Fliegen mit
einer Klappe“. 
Ersteres vermindert die
Gelenksbelastungen, Zweites ermöglicht
größere Schlagweiten. Somit
hat eine kleine Änderung
unserer Fußstellung deutlichen
Einfluss auf unser
Spiel.

Quelle: www.golftime.de