Ty Tryon war 2002 das jüngste Mitglied der PGA Tour. Lukrative Verträge waren die Folge. Er schaffte es sogar in den illustren Kreis der Golfer im berühmten Tiger-Woods-Videospiel. Die prophezeite Zukunft: Glorreich. Dann folgte ein bemerkenswerte Bruchlandung. Was macht er heute?

2001 machte die Golfwelt erstmals Bekanntschaft mit Ty Tryon. Der damals 16-Jährige schaffte den Cut bei der Honda Classic. Als einer der jüngsten, die ein Wochenende als Spieler auf der PGA Tour erlebt hatten. Kurz darauf wechselte er ins Profilager. Mit 17 sicherte er sich via Q-School bereits eine Karte für die PGA Tour. Als jüngster Spieler der Geschichte. Gleichbedeutend mit einem lukrativen Ausrüstervertrag. Ty Tryon, 17, gutaussehend, unendlich talentiert – diesen Namen sollte man sich merken, hieß es damals. Tiger Woods könne sich schonmal auf einen neuen Dauerrivalen einstellen. Im Videospiel Tiger Woods PGA Tour wurde sein Name schon einmal mit aufgenommen. Er schmückte die Cover der Golfmagazine. Sein Trainer: Kein geringerer als David Leadbetter. Der Weg war geebnet für eine große Zukunft. Scheinbar.

Doch die Gesundheit spielte zunächst nicht mit. Die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Tyron hatte die Spielzeit 2002 damit zu kämpfen. Der erste Dämpfer. Im darauffolgenden Jahr, das er mit einer Medical Exemption bestritt, sammelte er zu wenig Preisgeld, um erstklassig zu bleiben. Es folgte der Abstieg, erst die Nationwide Tour (heute Web.com), dann runter in die Drittklassigkeit. Auch der kurzzeitig engagierte Mentaltrainer Bob Rotella konnte Tryons Spiel nicht zurück in die Spur bringen.
Schwere Last
In der dritten Liga gewann er immerhin seinen ersten Profititel. Ansonsten: Zwei Teilnahmen an U.S. Open (T80 und verpasster Cut), für die er sich jeweils durch den langen Qualifikations-Marathon spielen musste. Sowie ein Gastspiel bei der Open de France, wo er deutlich den Cut verpasste. Seither: Ein paar Starts auf der Gateway Tour in Arizona sowie sporadische Monday Qualifier für die Events der Nationwide und PGA Tour.
Der Traum von der großen Nummer im Golfsport zerschellte auf brutale Art und Weise. Die Last, den die Prophezeiung, die nächste große Nummer zu werden, vielleicht sogar der nächste Tiger Woods, mit sich brachte, war einfach zu schwer. Die PGA Tour reagierte und erhöhte das Eintrittsalter für Mitglieder auf 18 Jahre. So sehr beschäftigte die Verantwortlichen der Fall der großen Golfhoffnung.
“Ich könnte verbittert sein, aber das bin ich nicht”
Heute lebt Tryon, 33, mit seiner Frau und einem Sohn in Orlando und trainiert. Er könne sich nicht vom Profi-Golf verabschieden, sagte er Golf Digest im Winter. Er müsse trainieren und spielen, sonst würde er sich verloren fühlen. Er sei ein besserer Spieler als damals, analysiert er. “Ich liebe das Spiel”, stellte er fest. Das habe er in der Zeit gemerkt, als er sich vorübergehend sportlich zurückzog und als Trainer arbeitete.
Tryon sucht noch immer nach jener Form, die ihn damals in kürzester Zeit zu einem Teenie-Star machte. Er tut dies ohne Trainer, ohne Spieleragent, ohne Sponsoren, auf dem günstigen Weg, wie er betont, – aber mit großem Enthusiasmus. “Ich könnte verbittert sein, wie alles gelaufen ist, aber das bin ich nicht.”
In dieser Woche steht Tryon im Feld des Web.com-Tour-Event, der Savannah Golf Championship. Erstmals seit 2012 Er qualifizierte sich mit einer 67 im Montags-Qualifikationsturnier. Der Hype um seine Person ist längst verflogen, der Traum, es in die erste Liga zu schaffen, besteht aber noch immer. Das Gute ist: Die Erwartungshaltung ist nun eine komplett andere. Dies könnte Tryon in die Karten spielen.

Quelle: www.golftime.de